E-Sport – Das Leben der Profi-Computerspieler in Taiwan

E-Sport – Das Leben der Profi-Computerspieler in Taiwan


Ich bin in Taiwan, einem kleinen Inselstaat
in Ostasien. Hier sind Computerspiele so was Nationalsport. Als Reporter habe ich schon oft über Sport
berichtet. Fußball, Basketball, Eishockey. Über E-Sport noch nicht. Hier in Taiwan hat der Staat E-Sport als offizielle
Sportart anerkannt. Kein Wunder, schließlich kommen viele unserer
Smartphones und Laptops genau hier her. Ich fahre jetzt zum Garena E-Sport-Stadium. Das ist eine Halle, in der wirklich nur E-Sport
stattfindet. Und heute Abend spielen die Flash Wolves. Das sind echte Superstars in der Szene. Und ich bin gespannt, was ich da zu sehen
kriege.“ Auf jeden Fall ist hier ganz schön was los! Die Halle ausverkauft, fast jedes Wochenende. Gespielt wird vor allem League of Legends – das Fantasyspiel. Bei dem ohne Teamwork nichts geht. Zwei Mannschaften mit je fünf Spielern treten gegeneinander an. Es gibt Angreifer, Verteidiger, viel Taktik. Das Ganze wird live kommentiert und übertragen.
Und Hunderttausende schalten ein. Und das, finde ich, ist schon alles genauso wie bei anderen Sportarten auch. Ich muss gestehen, ich habe nicht jeden einzelnen Move kapiert. Aber im Großen und Ganzen konnte ich dem folgen. Die Leute gehen echt mit hier, das ist echt eine gute Stimmung. Warum nicht? Man kann sich das angucken. Die Flash Wolves sind das beste Team in Taiwan und das beliebteste. Die Jungs nehmen sich nach dem Spiel Zeit für die Fans. Sie sind so was wie das Bayern München des taiwanischen E-Sports. Mario Götze, Manuel Neuer, Mats Hummels. Ne, aber mal im Ernst, diese Jungs das sind echt Superstars hier in Taiwan. Let’s go Flash Wolves! Sammlung hier, was haben wir hier denn noch? Starschnitt. Auf Youtube schaue ich mir die Erfolge des Teams an. Wie populär E-Sport international ist, das sieht man hier. Die Flash Wolves gehören zu den Teams, die mit den Weltmeistern aus Südkorea mithalten können. Preisgeld dort: mehr als 5 Millionen Dollar. Ich bin auf dem Weg in die Stadt Taichung. Nach einigem hin und her habe ich bei den Flash Wolves einen Interview-Termin bekommen. Teammanager Zhang, oder 4leaf, wie er sich nennt, zeigt mir die Pokale. Im Frühjahr haben sie die IEM Masters, ein internationales Turnier in Polen, gewonnen. Die Jungs sind absolute Profis. Zocken, das ist ihr Beruf. Überhaupt die Trainingsräume und alles hier sieht super professionell aus. Und auch im Interview klingen sie für mich fast wie Fußball-Profis. Warum sie der Beruf begeistert, will ich wissen. Für dieses Ziel investieren die Eigentümer kräftig und auch von der Politik werden sie ernst genommen. Gute Spieler zu finden, ist nicht schwer, sagt der Manager. Schon beeindruckend, aber ich hätte gern noch mehr gesehen, noch einen Blick hinter die Kulissen geworfen. Doch dafür sind sie hier vielleicht schon zu professionell. Ich bin wieder zurück in der Hauptstadt Taipeh. Denn ich habe eine Einladung von einem zweiten Team aus der League of Legends-Profiliga. Ich bin jetzt auf dem Weg zu den Wayi Spiders. Das ist eines der ältesten Teams hier in Taiwan. Und eines der ersten, die ein Teamhaus hatten, also die alle zusammen in einem Haus leben, dort trainieren, arbeiten, essen, schlafen. Und die haben mich heute eingeladen, mal zu ihnen zu kommen. Es ist jetzt halb 10 ungefähr und die werde ich heute den ganzen Tag begleiten. Bei den Spiders beginnt gleich das Training. Die Spieler stehen gerade auf. Mau-mau ist Teammanagerin und kommt mir ein bisschen vor wie die Herbergsmutter. Schlafen, trainieren, schlafen. Alles für das Ziel Profi-Zocker. Sie alle leben von ihrem Job. Die meisten Spieler verdienen zwischen 700 und 3000 Euro im Monat, die Top-Spieler auch mehr. Bei großen Turnieren gehen die Preisgelder in die Millionen. Jetzt will aber mal selber ran. Meine Spiele sind eher Fifa und MarioKart. League of Legends probiere ich heute zum ersten Mal. Aber auch für die, die es nicht ganz bis zur Spitze schaffen, gibt es Jobs. Ich besuche Ben. Er kommt aus Oklahoma, spricht fließend chinesisch und versucht sich in Taiwan als Streamer und Shoutcaster einen Namen zu machen. Das heißt, er kommentiert E-Sport-Spiele.
Und das zählt was hier. Ob das stimmt, keine Ahnung. Auf jeden Fall haben Computerspiele hier in Asien ein total positives Image. Und trotzdem sieht Ben einen Unterschied zu herkömmlichen Sportarten. Denn die Spiele gehören Software-Unternehmen. Zurück bei den Spiders. “Never give up!” ist ihr Motto und das nehmen sie auch beim Training wörtlich. Seit Jahren zocken sie immer nur das eine Spiel. Einmal pro Woche gehen sie laufen, an zwei Tagen haben sie frei. Den Rest der Zeit sitzen sie vor League of Legends, bis zu 16 Stunden am Tag. Nur so schafft man es in die absolute Spitze. Immer wieder die Spielzüge üben, und darüber diskutieren. Also das Training hier hinter mir läuft jetzt seit ungefähr acht Stunden. Es ist jetzt 18 Uhr, um 10 Uhr haben die Jungs angefangen. Und sind seitdem glaube ich noch nicht einmal aufgestanden. Vielleicht mal um aufs Klo zu gehen. Aber sonst gibt es hier ein Spiel nach dem anderen,
dann wird diskutiert, wie jetzt gerade. Videoanalyse, Mannschaftsbesprechung, und dann gibt es das nächste Spiel. Also die sind hier unermüdlich.
Ich werde langsam müde. Die Uhr tickt. Denn eine E-Sport Karriere ist kurz. Sie jedenfalls unterbrechen ihr Training nicht mal zum Essen. Die meisten sind zwischen 17 und 22. Spätestens mit 25 ist man zu alt.
Denn dann lässt die Reaktionsfähigkeit nach. Bis dahin wollen sie genug verdient haben. Der Druck ist riesig. Mir reicht es jetzt. Sie werden hier noch bis Mitternacht vor dem Rechner sitzen. Davon kriegen die Fans hier nichts mit. Sie kommen, um ihren Idolen zu zusehen und zuzujubeln. Die Flash Wolves haben es geschafft: Sie spielen in der Weltspitze, reisen viel, verdienen ziemlich viel Geld und sind in Taiwan Berühmtheiten. Doch das schaffen nur die wenigsten. Aber ist das in anderen Sportarten anders? Vieles beim E-Sport ist ganz genauso wie in anderen Sportarten auch, beim Fußball oder beim Basketball. Die Spieler trainieren super hart, die Ligen sind echt professionell organisiert. Und das Publikum hier das geht richtig mit. Und letztlich ist es beim E-Sport genauso wie bei jedem anderen Leistungssport auch: Es gibt auch seine Schattenseiten.

16 Replies to “E-Sport – Das Leben der Profi-Computerspieler in Taiwan”

  1. was mich wunderte, dass die spieler des zweiten teams nichtmal ein eigenes zimmer bekommen. scheinen wohl nicht sehr erfolgreich zu sein. ich kann mir auch nicht vorstellen, dass das absicht ist wegen teambuilding oder soetwas.

  2. Also ich hätte gern eine Freundin, die mich als Mensch mag und nicht weil ich gut in einem PC game bin. Das der Typ das anspricht, merkste, wie cringe der ist. Nicht etwa, das er sein Hobby zum Beruf gemacht hat und es irre viel Spaß macht und man gut Geld verdient und dazu noch die ganze Welt bereist. Nein er findet es gut damit zurückgebliebene, auf anime und pcgames hängengebliebene Minderjährige "abzuschleppen".

  3. Schöne Erkenntnis durch den Shoutcaster aus Oklahoma ab 8:54:

    Der Unterschied zwischen E-Sport und anderen klassischen Sportarten? Bei E-Sport sind die Spiele geistiges Eigentum der Spielefirmen. Insofern haben diese einen entscheidenden Einfluss auf was, wann, wo und wie gespielt wird.

    (Hat man bei den Fortnite Meisterschaften gesehen, wo die Spielbedingungen im Vorfeld nicht öffentlich gemacht wurden, was de Pros nicht gefiel, da sie sich nicht vorbereiten konnten.)

    "Klassischen Sport" kann jeder überall so spielen, wie er Lust hat.

  4. Hi Leute. Mein Kollege ist ganz frisch bei Youtube dabei. Wäre cool wenn ihr ihn abonnieren und einen Like dalassen würdet.

    https://www.youtube.com/watch?v=KmHerVuekKo&feature=youtu.be

  5. Ich finde man hätte mehr auf die körperlichen Aspekte eingehen können, die E-Sport klar von anderem Sport trennen (kein Schach etc.) und nicht unbedingt gesund sind.
    Trotzdem fand ich die generelle Herangehensweise gut!

  6. der amerikaner bei 09:40 ist genauso dämlich wie man es von nem ami erwartet. schade dass "reporterin" (infobox) steffen auch nicht gescheiter ist. nun will ich erklären was ich meine!
    ja, keiner kann verbieten baseball zu spielen, aber die baseballschlägerhersteller können ihre arbeit niederlegen und dann muss sich jeder selbst nen baseballschläger schnitzen, was am pc dann bestenfalls in tetris oder pingpong endet. jeder hat das recht sich ein MOBA wie LoL oder HotS zu programmieren. blizzard hat uns sogar vor jahren ein tolles programm dafür gegeben, die wc3worldedit.exe von warcraft 3, damit kommt sogar etwas wie DOTA heraus anstelle von tetris, was letztlich der grundstein für LoL & HotS & alle anderen MOBA's war.
    auch sc2 lässt sich komplett per wc3editor simulieren, ist überhaupt kein ding da eigene 3d-model für die einheiten einzufügen.
    es ist sogar möglich den editor in programmiersprache zu benutzen, womit ein gänzlich neues game erschaffen werden kann, welches quasi nurnoch wc3 als "launcher" braucht – oh welch überraschung, darauf basieren heute alle launcher.

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